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Im Frühling verwandelt sich die karge, scheinbar unfruchtbare Landschaft des Empordà für kurze Zeit in ein Meer von Blüten und Düften. Auf dem dünnen nährstoffarmen Kalkfelsboden gedeiht eine Vielfalt unverwüstlicher Pflanzen, die wahre Überlebenskünste entwickelt haben, um sich der Dürre des Sommers, dem oft extremen Wind und dem steinigen Boden anzupassen. Das Grau und Braun der Landschaft verwandeln sich in saftiges Grün und das Gelb der üppigen Ginster kontrastiert zu den rosa und violetten Blüten von Zistrosen und Schopflavendel.

Um der Verdunstung entgegenzuwirken, haben sie z. B. die Blattoberfläche verkleinert oder reflektieren das Sonnenlicht mit ihren silbrigen Blättern. Die Sukkulenten speichern das Wasser in ihren dicken fleischigen Blättern. Andere Pflanzen haben wollige Blätter oder eine Wachsschicht, um die Luftfeuchtigkeit einzufangen oder den Wasserverlust aufzuhalten. Es gibt auch Pflanzen, die starke Aromastoffe entwickelt haben, deren Duftöle eine schützende Wolke um sie herum bildet.

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Bis an die Küste reicht dieser Teppich farbiger Blüten. Der Duft ätherischer Öle wilder Kräuter wie Rosmarin und Thymian, Salbei und Fenchel vermischt sich mit dem Duft der Blüten und ein Spaziergang durch diese Landschaft wird zum Sinneserlebnis. Diese üppige Pracht erlebt noch einmal im Herbst für kurze Zeit eine Renaissance.

Im Sommer halten die Pflanzen eine Art „Sommerschlaf“, sie ziehen sich zurück in ihre Wurzeln oder Zwiebeln und werfen Blätter und Stängel ab. Auf Grund ihrer Reserven sind sie die ersten, die im Frühjahr wieder blühen.

Die Macchie und die Garigue

Macchie (ital. Macchia) und Garigue sind Landschaftsformen, die aus der fortschreitenden Vernichtung der einstigen Laub- und Nadelwälder entstanden sind. Zu Zeiten der Römer und Griechen wurde kräftig Raubbau betrieben. Holz wurde für Bau und Schiffsbau verwendet, man brauchte es auch für Öfen, um Metall zu gewinnen, Tonwaren zu brennen oder Glas zu schmelzen. Die Borke der Bäume wurde zum Gerben von Leder verwendet, welches bei den Römern äußerst beliebt war. Schafe und Ziegen weideten kräftig ab und auch Waldbrände trugen zur Reduzierung der Waldbestände bei. Die Macchie war die erste Stufe der Reduktion der einst üppigen Wälder. Durch zunehmende Durchlichtung des Unterholzes entwickelte sich ein Buschwald von ca. 2-4m Höhe mit langsam wachsenden kleinwüchsigen Bäumen und Sträuchern.

Wo die Macchie weiter zerstört wurde, entstand die Garigue mit niedrigeren meist immergrünen Sträuchern und Büschen, die oft nur noch vereinzelt stehen und den kargen felsigen Boden sichtbar werden lassen, auf dem sich Zistrosen, Ginster, Schopflavendel, Rosmarin, Thymian u.a. als niedrige Polster gebildet haben. Als zusammenfassende Unterscheidung könnte man sagen, dass die Garigue einem die Füße zerkratzt, während die Macchie ins Auge sticht.

Unter den Bäumen der Macchie sei die immergrüne Steineiche (Quercus ilex) erwähnt, die ohne die Wald- und Bodenzerstörung der wichtigste flächendeckende Baum des Mittelmeergebietes wäre. Dann die Aleppo-Kiefer (Pinus pinea) die leicht erkennbar ist wegen ihrer schirmförmig nach oben sich öffnenden Krone. Ebenso die Korkeiche (Quercus suber), deren dicke korkige Borke vielfältig genutzt wird. Die erste Korkernte ist erst nach 20-25 Jahren möglich, danach kann ein Baum alle 10 -12 Jahre bis zu einem Alter von bis zu 150 Jahren geschält werden.

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Quercus suber
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Quercus suber

Ein typischer Baum der Macchie ist der Erdbeerbaum (Arbutus unedo), der jedoch häufiger in Korsika und Italien zu finden ist. Die Fotos stammen aus der Gegend von Darnius. Es handelt sich um einen immergrünen Strauch oder Baum mit rötlichem Holz. Er ist wunderschön, wenn im Herbst die hängenden weißen Blüten gleichzeitig mit den erdbeerähnlichen Früchten blühen. Die kugeligen Früchte verwandeln sich von grün über gelb nach rot. „Unedo“ heißt soviel wie ich esse eine, einmal und nie wieder, denn sie schmecken sehr fad.

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Arbutus unedo
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Arbutus unedo

Im Unterholz sowohl der Macchie als auch der Garigue wuchert die Baum- oder Strauchheide (Erica arborea), ein Heidekrautgewächs (Ericaceae), das sehr hoch werden kann und sich mit nährstoffarmen sauren Böden begnügt. Diese immergrüne Staude blüht von Mai bis Juli mit weißen winzigen Blüten. Die kleinen nadelartigen Blätter sind so angeordnet, dass sie sich gegenseitig Schatten spenden. Die Zweige der Heide lässt sich zu Besen verarbeiten, das Wurzelholz zu Pfeifenköpfen.

Der immergrüne Mastixstrauch (Pistacia lentiscus) hat unauffällige Früchte, die erst rot und dann schwarz sind. Mastix ist ein festes körniges Harz, das z.B. in der Medizin verwendet wird, und seit den Zeiten der Römer als Kaugummi.

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Erica arborea
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Pistacia lentiscus

Auffallend ist im Frühling die gelbe Pracht der Ginster, die die Berge einzufärben scheinen. Es gibt viele Ginsterarten (Genista), die zur Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) gehören. Der Behaarte Dornginster (Calicotome villosa) ist ein niedriger Busch mit dichten Blüten und stechenden Dornen. Der Pfriemenginster oder Spanische Ginster (Spartium junceum L.) ist ein hoher fast kahler Rutenstrauch, dessen grüne Stängel die Assimilation übernommen haben und dessen Blüten am Ende traubenförmig ansetzen. Ginster enthalten giftige Alkaloide, die pharmazeutisch verwendet werden.

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Calicotome villosa
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Spartium junceum

Eine typische Pflanze der Garigue, die bis an die Küste reicht, ist die Zistrose (Cistus Cretius). Die Familie der Cistaceae zählt allein 17 Gattungen und ist ein bisschen den Wildrosen ähnlich. Zistrosen öffnen ihre zarten zerknitterten Blüten in der Sonne und fallen abends als Blütenteppich ab. Die kleinen Blätter bestehen aus einer Schicht feiner verfilzter Haare, um die aromatischen Düfte zurückzuhalten und die Verdunstung zu mindern.

Das von den Drüsenhaaren der Stängel und Blätter ausgeschiedene Labdanum Harz wird für die Herstellung von Parfüm verwendet und ist seit langer Zeit auch als Heilpflanze bekannt. Sie stärkt das Immunsystem, wirkt gegen Bakterien, Viren oder Pilze und gilt als Radikalenfänger. Eine Verwandte dieser Zistrose ist bei den Bachblüten bekannt unter dem Namen „Rock Rose“ zur Bewältigung von Panik. Unter den weiß blühenden Zistrosenarten unterscheidet man die Montpellier Zistrose (cistus monspeliensis ) mit klebrigen und stark riechenden ätherischen Ölen in den Blättern und die Salbeiblättrige Zistrose (cistus salvifolius), die verzweigter ist und deren Blätter nicht kleben.

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Cistus creticus
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Cistus creticus
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Cistus monspeliensis

Der Schopflavendel (Lavendula stoechas) ist ein mehrjähriger Halbstrauch der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) der üppig wächst und ätherische Öle und den Gerbstoff Saponin enthält. Er verbreitet einen wunderbaren beruhigenden Duft. Die Blüten tragen hellere Hochblätter, die dem Anlocken von Insekten dienen. Die Blüten werden zum Trocknen aufgehängt. Beliebt sind kleinen Lavendelkissen für den Kleiderschrank oder ein entspannendes Bad mit Lavendelöl.

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Lavendula stoechas
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Lavendula stoechas

Die Baumförmige Strauchpappel (Lavatera arborea) gehört zur Familie der Malvengewächse ( Malvaceae). Sie ist oft in felsigen Küstenregionen zu finden und wächst sehr hoch.Weiter hinunter zur Küstenzone sind viele Wildblumen zu entdecken, so der Wegerichblättrige Natternkopf (Echium Plantagineum) mit seinen borstig behaarten Blättern und blauvioletten Lippenblüten.

Die verzweigte Kronen-Wucherblume (Chrysanthemum coronarium) erfreut mit ihrem leuchtenden Gelb und kann ganze Felder in diese Farbe tauchen.

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Lavatera arborea
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Echium plantagineum
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Chrysanthenum coronarium

Der Rosen-Lauch (Allium roseum) ist ein Beispiel für ein Liliengewächs (Liliaceae) mit Zwiebeln, die als unterirdische Nährstoffspeicher dienen und bei großer Hitze die obere Pflanze abwerfen und sich in den Boden zurückziehen. Die Zwiebel dient als Reserve und diese Liliengewächse sind die ersten Frühjahrsblüher.

Die eibischblättrige rosafarbene Winde (convolvulus althaeoides) hat behaarte Blätter und wuchert am Boden oder rankt in Büschen und Sträuchern. 

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Allium roseum
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Convolvulus althaeoides

Die blaue oder violette Winde (Ipomoea purpurea) überzieht große Flächen. Sie ist eine Kletterpflanze mit auffällig großen Blüten, geeignet auch für Zäune in Gärten.

Je weiter wir uns der Küstenzone nähern, desto niedriger werden die Pflanzen und neigen sich in Windrichtung. Am farblich auffälligsten ist der üppige Teppich der Mittagsblume (Carpobrotus acinaciformis). Sie gehört zur Familie der Eiskrautgewächse (Aizoaceae) und erstrahlt für kurze Zeit in greller Farbenpracht, wie es viele wasserspeichernde Pflanzen (Sukkulenten) tun. Sie blühen rosa, weißgelblich oder wie hier karminrot bis pink. Sie bilden dichte großflächige Teppiche, deren fleischige kantige Blätter untereinander und am Boden verbunden sind. Die stark wuchernde Pflanze ist ein echter Sonnenanbeter, die Blüten schließen sich, wenn diese fehlt. Außer dass sie eine echte Zierde ist, dient sie auch zur Befestigung von Böschungen. Ihre eigentliche Heimat ist Südafrika. 

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Carpobrotus acinaciformi
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Carpobrotus acinaciformi

Überall in der Küstenregion findet man die Behaarte Spatzenzunge (Thymelaea hirsuta), ein Busch mit hängenden Zweigen. Die kleinen Blättchen des Strauches sind schuppenförmig angeordnet. Die Tanger-Reichardie (Reichardia tingitana) ist sehr anspruchslos und wächst auf Sand und Felsen in Küstennähe, die gelbe Blüte mit dem violetten Innenring leuchtet wie eine kleine Sonnenblume und ist auch in mediterranen Gärten beliebt.

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Thymelaea hirsuta
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Tanger-Reichardie

Dies ist nur eine kleine Auswahl der vielen wild wachsenden mediterranen Pflanzenarten, die oft sehr unscheinbar aussehen bevor sie durch Regen und Sonne ihre Schönheit und Farbenpracht zeigen. Eine Entdeckungsreise, die reich belohnt wird in Wanderungen durch die Berge und Naturparks des Empordà.

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