Schlüsseldaten
der katalanischen Geschichte
Zahlreiche
Sommergäste entdecken hier den kulturellen Reichtum der Region und bemerken
dabei oft etwas erstaunt das starke Nationalgefühl der Einheimischen. Wir
wollen dies etwas näher erläutern, mit einigen wichtigen Ereignissen der
katalanischen Geschichte.
Unternehmen
wir zunächst einen Ausflug in weit zurückliegende Zeiten...
Im
ersten Jahrtausend vor Christus ließen sich die Kelten, aus Osteuropa kommend,
auf dem jetzigen katalanischen Territorium nieder. Sie vermischten sich mit den
Eingeborenen des Neolithikums - der letzten Epoche der vorgeschichtlichen Zeit -
und gründeten verschiedene freie Stämme. Ab dem VIII. Jhdt. gründeten die
Griechen in der Nähe des Meere Handelsniederlassungen, die später Kolonien
wurden; die bedeutendsten hießen Empurion (Empuries) und Rhoda (Roses). Man
findet Zeugen der griechischen Vergangenheit selbst in kleinen abgelegenen wie in
Vall de Santa Creu zwischen Llançà und Port de la Selva. Vieles spricht dafür,
daß zu dieser Zeit der Empordà eine wirtschaftliche Blüte erlebte. Man schätzt,
daß allein im V. Jhdt. etwa 300 Schiffe im Umkreis des Cap de Creus versanken.
Dies ist ein sicheres Indiz, daß der Seehandel zu dieser Zelt in diesem Teil
der iberischen Halbinsel voll in Schwung war.
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v. Christus gelangten die Römer nach Katalonien und bemächtigten sich
Emporions. Sie blieben bis ins III. Jhdt. nach Christus und betrieben Ackerbau
und Handel so erfolgreich, daß dies ihnen erlaubte, große Ansiedlungen zu gründen:
Barcino = Barcelona- und Tarraco = Tarragona.
Das
fünfte Jahrhundert unserer Zeitrechnung verzeichnete dann das Ende des römischen
Imperiums. Die "Barbaren" aus Germanien übernahmen die Macht. Die
Wisigothen drangen vom Norden in die iberische Halbinsel ein, erklärten zunächst
Barcelona zur Hauptstadt und integrierten dann Katalonien in das Königreich
Toledo.
Spanien
erlebte daraufhin die Besetzung durch die Mauren, die 716 auch in Katalonien
eindrangen. Ein Teil der Bevölkerung emigrierte in die Pyrenäen oder in das
Reich der Franken. Die wollten sogar einen Wall
bauen, um ein Vordringen der Mauren auf ihr Gebiet zu verhindern.
Nach
der Niederlage Roland's In Roncevaux vertraute Karl der Große 778 die Provinz
Girona den an der Grenze ansässigen Grafen an. Die neuen Territorien wurden
karolingischen Herrschern als Lehen zugeteilt. So wurde Barcelona das Zentrum des
Besitzes der Franken in Spanien.
Vom Ende des IX. bis zum Ende des X. Jhdts. schwand die Macht des Imperiums der Franken. Die Grafen von Barcelona machten sich dies zunutze, übernahmen die Herrschaft in der Stadt und lösten sich von Frankreich. Ihre Nachfolger bekämpften die Muselmanen, erweiterten ihr Herrschaftsgebiet durch Heiraten bis in die Provence und befestigten den Bund der Grafen von Barcelona mit dem Königreich Aragon.
Ramón Berenger l, Graf
von Barcelona zwischen 1035 bis 1076, gibt Katalonien die Fundamente seines
politischen Lebens durch die Vereinigung der Cortes und die Verkündigung der
Usatges (Gewohnheiten), die Rechte und Gewohnheiten innerhalb des Landes regelten.
Insofern beschnitt er drastisch die Macht des Königs. Vom XXII. bis zum XV.
Jhdt. bildeten Katalonien und Aragon ein gemeinsames Königreich, jedes Land
behielt aber seine eigene Verwaltung. Katalonien erlebte in dieser Epoche eine Perlode wirtschaftlicher Blüte.
Die Bevölkerungsanzahl stieg an, ebenso die landwirtschaftliche Produktion. Das Kloster Sant Pere de
Rodes weitete seinen Einfluß bis in den
Roussillon (Frankreich) aus. Betriebe entstanden, die Schmieden vervielfachten
sich, Handel und Bankwesen florierte. Barcelona trieb Handel mit dem Orient und
trat in Konkurrenz zu Venedig und Genua, den großen Häfen Italiens. Dieser
Aufschwung war die Geburtsstunde des städtischen Bürgertums und Initialzündung
für die Anfechtung feudaler Strukturen in Städten und Dörfern.
Die
schwarze Pest machte dann Im Jahre 1348 der Blütezeit ein Ende. Das Unheil
senkte sich über Katalonien wie über ganz Europa. Schlechte Ernten, Hungersnöte
und Epidemien waren die Folge. Soziale Unruhen erschütterten das Land; und
lebte lebte der Großteil der Bevölkerung. Die Krise steuerte ihrem Höhepunkt während
des Bürgerkriegs zwischen der Landesregierung und Juan II. von Aragon zu. Dann
ließ sich Katalonien 1469 in das neue katholische Königreich von Ferdinand II.
von Aragon und Isabella I. von Kastilien eingliedern.
Vom
XVI. bis ins XVII. Jhdt. erlebt Spanien unter der Regierung des aus Österreich
stammenden Herrschers Charles Quint und seiner Nachfolger. In dieser von Österreich
unabhängigen Monarchie bildet Katalonien einen autonomen Staat und behält
seine traditionellen Institutionen. Durch die Unabhängigkeit von Kastilien ist
es aber von den neuen Entwicklungen isoliert, besonders vom Handel mit der Neuen
Welt Amerika, der hauptsächlich von Sevilla abgewickelt wird. Das hindert
Katalonien aber nicht, einen eigenen wirtschaftlichen Aufschwung in Gang zu
setzen. Die Herrscher Kastiliens fordern es bald auf, sich finanziell an ihrer
Politik zu engagieren und nötigen es, während des dreißigjährigen Krieges
Soldaten aufzunehmen, die gegen Frankreich kämpfen.
1640
revoltieren die Katalanen gegen das Regime, führen den Abspaltungskrieg La
Guerra dels Segadors, während dem sie von Frankreich unterstützt werden. Sie
rufen eine unabhängige Republik unter der Schirmherrschaft Frankreichs aus; die
spanische Monarchie erkennt die katalanische Verfassung an.
1659
trennt der "Frieden der Pyrenäen" und der dadurch festgelegte
Grenzverlauf die Bürger des Roussillon und der Cerdanya in Frankreich von
Katalonien ab. In dieser bewegten Zeit erlebt Katalonien eine wirtschaftliche
Rezession, neue Pest- Epidemien und Überschwemmungen gesellen sich hinzu. Mit
Philip V., dem Gewinner des Erbfolgekrieges, besteigen die Bourbonen den
spanischen Thron. Dieser König schafft sämtliche Privilegien Kataloniens ab:
Das Land muss sich damit abfinden, nur mehr eine spanische Provinz zu sein.
Trotzdem erlebt es eine neue wirtschaftliche Blüte, besonders um die Mitte des
achtzehnten Jahrhunderts: Die Bevölkerungszahl steigt und in Girona werden die
ersten Papier- und Textilfabriken gegründet.
Zu
Beginn des XIX. Jhdts. befindet sich Katalonien auf der Iberischen Halbinsel ökonomisch
im Abseits. Daher fordern die Katalanen wieder verstärkten Einfluß im
politischen Leben Spaniens. Diese Forderung wird lauter, als Napoleons Truppen
1809 das Land überfallen und besetzen. Die Belagerung Gironas dauert 7 lange
Monate, Katalonien wird im Jahr 1812 französische Provinz.
1814
erlangt Spanien wieder seine Unabhängigkeit; Ferdinand der VII. herrscht als
absoluter Monarch.
Die
Provinz Katalonien modernisiert sich im Lauf der industriellen Revolution,
besonders in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts. Das Stadtbürgertum macht
Front gegen die traditionell bäuerliche Gesellschaft, es entsteht eine
Arbeiterbewegung, die sich aber nur auf Katalonien beschränkt. Anfang des XX.
Jahrhunderts versucht La Lliga Regionalista dem Land die Selbstbestimmung
wiederzugeben. Die nationale Bewegung erstarkt; die Massen in den Städten
revoltieren gegen ihre elenden Lebensbedingungen. 1931 gewinnt eine neue Partei
die Regionalwahlen: La Esquerra Republicana de Catalunya. In allen großen Städten
Spaniens siegt eine Allianz von Sozialisten und Republikanern; König Alphons
XIII verläßt Spanien. In Katalonien bildet sich eine autonome Landesregierung,
La Generalitat de Catalunya. Sie arbeitet ein Autonomiestatut für das Land aus,
welches 1932 von den Cortes, dem Parlament in Madrid, bestätigt wird. Im
Februar 1936 gewinnt die Volksfront El Frente Popular die Parlamentswahlen. Eine
"Nationale Erhebung" formiert sich, die mit den "revolutionären"
Tendenzen Schluß machen will, der Bürgerkrieg beginnt am 18.7.1936.
Zu
diesem Zeitpunkt besaß Katalonien ein Autonomiestatut, das ihm eine eigene
Landesregierung (Generalitat), Kulturhoheit und ein eigenes Wirtschaftsbudget
zubilligte. Nach den Wahlen wird Spanien von heftigen Unruhen erschüttert,
Generalstreiks lahmen die Wirtschaft, politische Morde häufen sich. Das Land
ist in zwei sich unversöhnlich gegenüberstehende Lager gespalten. Die
Ermordung des monarchistischen Abgeordneten Jose Calvo Sotelo wird zum Anlaß
des von der Rechten seit Monaten vorbereiteten Militärputsches, der sich zum Bürgerkrieg
ausweitet. Am 16. Juli 1936 übernimmt Francisco Franco y Bahamonde den
Oberbefehl über die Truppen und versichert sich der Unterstützung Deutschlands
und Italiens.
"Un
millon de muertos", Eine Million Tote, ist der Titel eines Romans von Jose
Maria Gironnella; er nennt treffend das furchtbare Ergebnis des spanischen Bürgerkrieges.
Schon im Laufe des Bürgerkriegs beginnt Franco den "Neuen Staat" (Estado nuevo) aufzubauen, in dem jegliche Opposition systematisch unterdrückt wird. Der Bürgerkrieg endet 1939, es beginnen die Jahre des Hungers (años del hambre), die bis in die fünfziger Jahre dauern. Während dieser Zeit wird jegliche Regung katalanischen Nationalbewußtseins brutal unterdrückt. Katalonien ist eine Provinz wie jede andere und hat sich dementsprechend zu benehmen: Spanisch. Selbst der Gebrauch der katalanischen Sprache ist strafbar.
Ende der fünfziger Jahre begannen jedoch einige Intellektuelle und Künstler in
Barcelona das katalanische Nationalbewußtsein zu reaktivieren. Allmählich
lockerte sich das Verbot der katalanischen Sprache. Die katalanische
Protestbewegung wurde zum Sammelbecken der Kritiker des franquistischen Regimes.
Sie bildete keine Geheimorganisationen, sondern übte nur leisen Protest im
Alltag. Man begann Formulare in katalanisch auszufüllen, summte in Gegenwart
Madrider Abgeordneter katalanische Lieder oder fragte den Polizisten auf
katalanisch nach dem Weg.
Völlig
hilflos reagierte das Regime auf die neue musikalische Stilrichtung "Nova
Cancó": Veranstaltungsverbote und Zensur von Texten verstärkten nur noch
den politischen Charakter katalanischer Liederabende und bildeten die Basis für
einen florierenden Schwarzmarkt der Platten von Maria del Mar, Pi de la Serra
und Lluis Llach. Dieser trat 1968 mit dem Lied "L'estaca" vor ein
breites Publikum, und dieses machte daraus eine Widerstandshymne. Das Regime
wird darin mit einem faulenden Pfahl verglichen, den es umzukippen gilt: "Und
er wird fallen, fallen, fallen..." lautete der Refrain.
Schnell
wuchs nun die Unzufriedenheit über die Kreise der demokratischen Opposition und
der studentischen Jugend hinaus. Je schärfer die Repressionen gegen die
katalanische Autonomiebewegung wurde, desto stumpfer wurde sie als Waffe. Auch
der niedere Klerus stellte sich hinter die Forderungen der Opposition und selbst
einflußreiche Wirtschaftskreise sahen ihre Interessen von Madrid nicht mehr genügend
vertreten.
Als
der greise Caudillo Francisco Franco am 20. November 1975 stirbt, ist der
Weg
frei für politische Reformen. Prinz Juan Carlos, der seit dem 30. Oktober des
Jahres interimistisch die Staatsgeschäfte übernommen hatte, wird als Juan
Carlos I. von Bourbon zum König proklamiert. Innerhalb kurzer Zeit gelingt es
ihm, die erzkonservativen Franco-Anhänger ins Abseits zu manövrieren und das
Land im D-Zugtempo in die Demokratie zu führen. Katalonien war mit dem
Baskenland die erste Region, der 1979 ein Autonomiestatut zuerkannt wurde.
Katalanisch ist unterdessen wieder Amts- und Unterrichtssprache und die
Landesregierung, die Generalitat vertritt die Interessen der Bürger.
CapCreus online, die Web-Zeitung der Costa Brava: www.cbrava.com/de